Unser Abenteuer mehrere Jahre nach Japan zu gehen und alles hinter uns zu lassen.
Konnichi wa,
wieder und wieder jagte ein elektrisierender Schauer nach dem Anderen meinen Buckel hinunter. Es war ein noch nie erlebtes Gefühl zwischen ein bisschen Weh und unglaublichem Wohlbefinden. Meine Augen waren in diesem wohlriechenden, schummrigen Raum geschlossen und ich glaube der Ellenbogen der virtuosen Masseuse bohrte sich zum wiederholten Male in meine Muskeln. Ich war mit einem grossen, weissem Handtuch bedeckt und im Hintergrund spielte leise japanische Esoterikmusik. Nachdem ich ein wohlerzogener, verheirateter Mann bin trug ich im Gegensatz zu den japanischen Männern eine zur Verfügung gestellte Einweg-Boxershort. Eine elektronische Kerze mit Duftspender tauchte den ganzen Raum in ein leicht flackerndes, angenehmes Licht. Nach 1Std. 20 min. war ich ein neuer Mensch! So etwas hatte ich noch nicht erlebt! Diese Lady hatte göttliche Hände und was sie sonst noch alles zu meiner Wohltat eingesetzt hat. Zum Abschluss bekam ich noch köstlichen Zitronengras Tee und die Empfehlung das herrlich duftende Massageöl möglichst nicht gleich in der Dusche abzuwaschen. Ein paar Minuten musste ich dann noch in der Empfangshalle des SPA im Mandarin Oriental auf Susanne warten und konnte die Unterschiede zwischen den widerlich fetten und aufdringlichen Russinnen – den höflichen und etwas netter aussehenden Europäerinnen und den zierlichen, zuvorkommenden und perfekt gestylten Asiatinnen beobachten. Noch nie ist mir das in meinem Leben bisher so krass aufgefallen! Geld hatten alle – aber das alleine hilft auch nicht……Meine Frau hatte auch einen glücklichen, beinahe verklärten Gesichtsausdruck nach der soeben gemachten Erfahrung – sie durfte die Aromatherapie in vollen Zügen geniessen.
Zum Abendessen waren wir dann mit den Anderen Abteilungsleitern des Hotels und ihren Partnern im französischen Gourmetrestaurant eingeladen und genossen ausgezeichnetes Futter und jeweils den korrespondierenden Wein dazu. Neben der amerikanischen Gattin des Direktors konnte ich auch mit der gegenüber von mir sitzenden Personalchefin – auch richtige Amerikanerin – mein gepflegtes Englisch im Smalltalk üben. Herr im Himmel war das anstrengend!!! Susanne sass weit weg neben ihrem Chef. Den ganzen Abend kein falsches Wort…….
Nachdem wir die Nacht im 34. Stock in einem der wunderbaren Hotelzimmer verbracht hatten, gab es ein Roomservice Frühstück von einem Kellner im weissen Frack serviert, der mich auch noch fragte ob er denn den Strom für den Toaster benützen dürfe. Dafür hat er sich dann 1000 Mal bedankt und mindestens genauso oft verbeugt. Um 8.00 Uhr ging es dann mit dem extra gecharterten Bus – wieder mit allen vom Vorabend – zum Hauptbahnhof und wir fuhren mit dem Shinkansen (Hochgeschwindigkeitszug) in das geschichtsträchtige Kyoto. Der Zug hatte für die fast 500 km nur 2 Std. 20 min. gebraucht und 1. Klasse zu fahren war auch sehr angenehm. Doch der Kessel von Kyoto erwartete uns mit unglaublichen Temperaturen. Wir waren ja auch 500 km weiter südlich und die Stadt ist von 3 Seiten von Bergen umgeben in die den ganzen Tag die Sonne erbarmungslos reinknallt.

Wir wollten kein Abkommen unterzeichnen – nur ein wenig Sightseeing machen. Aber wir hatten keine Ahnung! Dies war unser erstes Mal mit einer Bustour und noch dazu mit einer japanischen Reiseleitung und einem strafferen Zeitplan als beim Kyoto Abkommen – ich bin mir absolut sicher.
Wir fuhren von Tempel zu Tempel und von Shrine zu Shrine. Aus dem Bus raus und bitte exakt in 32 min. wieder da sein! Und zu meiner Verwunderung hat das auch immer geklappt. Genauso wie die von uns in Heidelberg immer belächelten Japaner von Miki oder Kuoni Travel. Mittags gab es in einem traditionellen, japanischen Ryokan Restaurant sehl leckeles Essen und wer wollte auch Sake oder Bier dazu. Gott sei Dank blieben wir beim Tee, da jeder der Alkohol trank hinterher umso mehr schwitzen musste. Wir sassen auf Stühlen ohne Beine und die Füsse hingen in ein Loch unter dem Tisch. Das sah sehr ungewöhnlich aus – ist aber eigentlich das Gleiche wie bei uns. Nur mit dem Aufstehen klappte es nicht so leicht und die Bedienungen taten mir ehrlich Leid. Die bekommen sicher einen Buckel von dieser Buckelei.
All die Sehenswürdigkeiten konnten wir in dieser begrenzten Zeit natürlich nicht bewundern – aber alles was wir sahen war wirklich sehr beeindruckend und verschaffte uns einen kleinen Einblick in die lange Geschichte der japanischen Kultur. Wir sahen Krieger, Götter, Mönche, Statuen, tolle Gärten, viel Gold, sensationelle Kunst, bemerkenswerte Architektur und das alles im Tempo einer Hochgeschwindigkeitskamera. Und dann wieder in den Bus und schnell mit dem schnellen Zug wieder Heim. Puhhhhhhh.
An dieser Stelle möchte ich mich für die super Zeit und die Einladung beim Direktor Christian Hassing nochmals bedanken – echt toll dieses Erlebnis. Und bei meinen Tischnachbarinnen natürlich auch……..
Sayonara
Jack san
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