Unser Abenteuer mehrere Jahre nach Japan zu gehen und alles hinter uns zu lassen.
Konnichi wa,
der Walt Disney Film über die Lemminge aus den 60er Jahren ging mir nicht aus dem Kopf und ich hoffte immer wieder, dass nicht irgendwann das Kliff kommt und wir uns alle im Kollektiv hinunter stürzen. Tja, so ein Sonntagsausflug in Tokyo ist schon etwas anders. Auf der Homepage der Tokyo Tourism Info entdeckte Susanne eine Wanderung entlang der letzten noch existierenden Trambahn in Tokyo und in der Ausschreibung war vermerkt, dass die Teilnahme kostenlos ist und die Teilnehmerzahl auf 3000 beschränkt ist. Auf solche Massenansammlungen stehe ich normalerweise nun gar nicht – aber die Neugierde auf die Tram war dann doch grösser.
Um 9 Uhr machten wir uns auf den Weg und wechselten in Hibiya von der Yurakucho in die Chiyoda Line und dann in Machiya von der U-Bahn in die Tram. Bim, Bim, Bim kündigte sich das nostalgische Gefährt an und es war wie in München – nur blau war sie nicht. Richtig voll war der eine Wagen und das offensichtlich mit lauter trambegeisterten Teilnehmern am Spaziergang.
Mir fiel ein glatzköpfiger Midvierziger auf, der auf seinem blanken Schädel einen wunderschönen Schmetterling tätowiert hatte. Ein wenig seltsam aber sehr freundlich und er beschäftigte sich liebevoll mit dem neben ihm sitzenden fremden Kind.
Nach ein Paar Stationen waren wir schon da und wir liefen einfach der Herde hinterher. An hübschen alten ausgestellten Trams vorbei erreichten wir den Hof der Wartungsgebäude auf dem Registrierzelte aufgebaut waren. Jeder schnappte sich einen Stift und füllte die Anmeldebögen aus. Wir nicht – Analphabeten haben es nicht leicht! Aber sofort nahte Hilfe und uns wurde erklärt wo wir unser Kreuzlein zu machen hatten.
Und jetzt ging es los. In Reih und Glied und mit einem ganz schönen Zacken. Die kurzen Beine hatten schnell eine hohe Frequenz erreicht und wir hinterher. Zuerst direkt der Bahnstrecke entlang, dann über eine verrostete Eisenbrücke und zwischen den Hochhäusern hindurch.
Wir beobachteten die perfekte Ausrüstung: Sonnenschutz, tropentaugliche Hüte, teils Handschuhe, meist lange Ärmel, viele in langen Hosen, hightech Rucksäckchen, Sonnen – oder Regenschirm, Brotzeit und jeder eine Wasserflsche.
Wir Schlauberger hatten kurze Hosen an, Susanne keinen Hut und natürlich die Regenjacken – es ist schliesslich Regenzeit……und selbstverständlich einen schweren Rucksack für die Hochalpen.
Es gibt noch viel zu lernen hier.
Nett waren die Wege entlang des Wassers, vorbei an Tempeln und durch Parks und wir sahen auch ein Paar hübsche Häuser. Und dann kam die im Plan angekündigte Hängebrücke, die meine Teilnahme fast verhindert hätte. Ich hasse so was! Aber was für ein Glück – sie war mehr ein Gag und führte im Park über den Weg und da hielt mein Nervenkostüm sogar aus, dass sich die Japaner einen Spass daraus machten wie verrückt mit der Konstruktion zu schaukeln. Wie die kleinen Kinder.
Nach 2,5 Stunden erreichten wir durch die sonntäglichen Marktstände hindurch unseren Zielort in Sengoku in der U-Bahn Station erhielten noch zur Belohnung unseren Teilnahme Sticker und ich war froh, dass sich nicht alle 3000 gleichzeitig vor die U-Bahn geworfen haben.
Sayonara
Jack san
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