Unser Abenteuer mehrere Jahre nach Japan zu gehen und alles hinter uns zu lassen.
Konnichi wa,
momentan ist unser Neffe Max aus Augsburg zu Besuch und erneut tut sich ein neuer Blickwinkel für uns auf. Die sehr gut geschulten Augen eines 15 - jährigen Gymnasiasten sehen doch wieder viele Dinge anders als wir - die wir uns bereits eher in der Midlife Crisis befindlichen.
Total technikbegeistert nimmt er all die Gimmicks in unserer Wohnung oder auch der Stadt als sehr angenehm war und hat diesbezüglich auch null Berührungsängste. Ganz anders als wir Midvierziger. All der Komfort in dem wir leben gefällt ihm sehr und er vergleicht dies öfters sehr nett mit seinem zu Hause im doch eher kleinen Augsburg in der klassischen Doppelhaushälfte am Stadtrand. Hier müssen wir zum Einkaufen das Haus nicht verlassen und können genauso ins hauseigene Kaffee gehen und uns auf der am Wasser gelegenen Terrasse in die Sonne fläzen. Nebenher spielt der automatische Flügel Bachsonaten und ruft beim Pianisten ungläubiges Kopfschütteln hervor. Sauna, Schwimmbad, Fitnessclub, Internetcafe, Supermarkt und Einkaufszentrum – alles erreichbar ohne nass zu werden. Solch Annehmlichkeiten faszinieren den jungen Mann doch sehr und immer wieder bemerkt er wie toll er so einen Wolkenkratzer findet in dem sich all dies befindet. Das grau und Glas das mich so stört übt hingegen auf ihn eine ungeheuere Faszination aus. Wieso ich dazu Bunker sage musste ich erst genauestens erklären und auf grosses Verständnis stiess dies nicht. Nur auf die Frage wo wir unser Brot einkaufen fällt mir die Antwort nicht so leicht. Ja – da müssen wir entweder im Supermarkt was mitnehmen oder zum französischen Bäcker an der U-Bahn Haltestelle laufen. Knappe 15 Minuten bei strammem Marsch machen wir das manchmal zum Frühsport am Sa. Oder So. Morgens. Und Brot in unserem Sinne gibt es gar nicht, da die Japaner nix Festes oder gar Hartes beissen wollen. Seit kurzer Zeit gibt es zwar Brotschnitten, die aussehen wie bei uns Schwarzbrot aber die Konsistenz von feuchtem Toastbrot haben. Ursprünglich gab es Brot oder Brötchen in diesem Land auch gar nicht und diese Esskultur wurde von uns Gaijins eingeschleppt. Ein guter Japaner isst Reis zum Frühstück, mittags und abends und nicht so komische ungesunde Weizenprodukte.
Durch die Veramerikanisierung auch dieses Landes schreitet der Verfall der guten Sitten allerdings auch unaufhaltsam fort und so essen sie mittlerweile auch Toastbrot und Ähnliches, weil es halt auch bequemer ist als um 6.00 Uhr Morgens den Reiskocher anzuwerfen. Es gibt süsse Blätterteig Teilchen mit allen Möglichen Füllungen und leckere Apfeltartes. Etwas befremdlicher sind da schon die mit Würstchen gefüllten schlabber Baquettes oder mit einer Art Käsemousse gefüllten ultra soften Eckchen. Wir lieben natürlich die härtesten angebotenen Backwaren und das sind die richtigen Baguettes und kleine gedrehte Blätterteig Stangen mit ganz viel Körnern drin. Lauwarm mit salziger Butter ein Traum zum sonntäglichen Frühstück. Unser Gast hat all die Dinge gleich mit seiner Nikon Made in Japan aufgenommen und etwas verwunderte Blicke der Bäckermannschaft auf sich gezogen. Für uns nach nunmehr einem Jahr im Lande bereits alles ganz normal und für einen Frischling alles kaum fassbar. Und mit einem herzhaften Biss ins mit Tintenfisch gefüllte runde Bällchen dessen Namen ich nicht weiss sage ich
Sayonara
Jack san
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